Hg. von Astrid Deuber-Mankowsky und Anna Tuschling

Vienna: Turia + Kant, 2017



Als bewegende Bedingungen des Lebens stehen Conatus und Lebensnot im Zentrum aktueller medienanthropologischer Diskussionen über das Verhältnis von Leben und Medien. Spinoza definierte Conatus als Prinzip, nach dem das Wesen jedes Dings darin besteht, ›in seinem Sein zu verharren‹. Er begründete mit diesem Prinzip eine Denktradition, in der Leben und Materie, Rationalität und Vermögen koinzidieren. Der Begriff der Lebensnot dagegen entstammt Diskursen der Physiologie, der Medizin, der Urteilsphilosophie und schließlich der Psychoanalyse, die auf verschiedene Weise körperliche Bedingungen und Notwendigkeiten mit der Angewiesenheit auf das Andere und die Anderen verschränken. Conatus und Lebensnot erlauben in besonderer Weise zu situieren, warum und wie sich das Fragen nach dem Menschlichsein in Diskursen über Medientechnik immer wieder aktualisiert und dabei zugleich verändert.

Astrid Deuber-Mankowsky ist Professorin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und seit Associate Member des ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Medien-, Gender-, und Queertheorie, der Medienphilosophie und -ästhetik und der Medienanthropologie.

Anna Tuschling ist Professorin für Theorie, Ästhetik und Politiken digitaler Medien am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Medientheorien mit Fokus auf Digitalität, Internetgeschichte, Medienanthropologie, Computer/Affekt und psychoanalytische Theorie.

Band 12 der Reihe ‘Cultural Inquiry’ bei Turia + Kant.

289 S., 34 EUR, ISBN 3-85132-869-8

Inhaltsverzeichnis, Editorial

Inhaltsverzeichnis

Astrid Deuber-Mankowsky / Anna Tuschling: Zur Einführung: Conatus und Lebensnot – Schlüsselbegriffe der Medienanthropologie

Monique David-Ménard: Conatus und Lebensnot

Gertrud Koch:  Zwischen Fakt und Fiktion: »Madagaskar, Nisko,
Theresienstadt, Auschwitz« – Zu den ›Über‹lebensbedingungen
in der Vernichtung in Claude Lanzmanns Film Le dernier des injustes

Manuele Gragnolati / Christoph F.E. Holzhey: Aktive Passivität? Spinoza in Pasolinis Schweinestall

Christoph F.E. Holzhey: Conatus Errans: Paradoxe Lust zwischen Teleologie und
 Mechanik

Katja Diefenbach: Conatus versus cogito. Der Streit um Spinozas spekulativen Materialismus in der postmarxistischen Philosophie

Christiane Voss: Verzweiflung und Freiheit zwischen Existenzial- und Medienphilosophie

Christine Blättler: Austreibung der Schatten? Die fröhliche Wissenschaft gegen
 ihre neuen Bewunderer verteidigt

Reinhold Görling: Macht der Affizierbarkeit. Über Wahrnehmung, Widerstand und Glückseligkeit

Sara Fortuna: Sprachnot, Lebensnot und der Ursprung der Menschheit in Vicos Philosophie

Ali Benmakhlouf: Intensität, Stabilität und Lebensformen

Marcus Coelen: Der Trieb Salome